Was ist EX-IN?

Psychiatrie-Erfahrene werden zu Erfahrungsexperten

Psychische Erkrankungen sind in der Bevölkerung noch immer Scharm behaftet. Es wird nicht gern darüber gesprochen und oftmals werden Menschen mit psychischen Problemen ausgegrenzt. Man macht sich über sie lustig oder gibt „kluge Ratschläge“. Dieses Problem lässt sich unter dem Begriff Stigmatisierung zusammenfassen. Manchmal wird es sogar als „zweite Krankheit“ bezeichnet.

Doch die von seelischen Leiden betroffenen Menschen wollen sich nicht damit abfinden, dass Ärzte und „Normalos“ sie als „unheilbar krank“ oder „austherapiert“ abstempeln. Aus eigener Erfahrung wissen sie: Genesung ist auch bei schweren psychischen Erkrankungen möglich. Es geht hierbei nicht um Heilung im klassischen Sinne, sondern darum trotz Erkrankung eine gute Lebensqualität zu haben. So entstand in den USA in den 1990ern die Recovery-Bewegung. Gemeinsam mit engagierten Fachleuten und Angehörigen wird sich für eine alternative Art der psychiatrischen Behandlung eingesetzt. Dabei sollte ein positiver, ganzheitlicher und gesundheitsfördernder Blick auf psychische Erkrankungen im Mittelpunkt stehen. Die Recovery-Bewegung ist eng mit der Selbsthilfe-Bewegung verwoben. Menschen mit psychischen Problemen wünschten sich eine Einbeziehung.

So wurden die Stimmen immer lauter, dass Psychiatrie-Erfahrene selbst in der Versorgung arbeiten und als Vermittler fungieren sollten. EX-IN wurde geboren. EX-IN steht für Experienced Involvement, also für die „Beteiligung von Psychiatrie-Erfahrenen“. Menschen, die versuchen nach einer Qualifikation als Expert*in aus Erfahrung anderen Psychiatrie-Patient*innen zu helfen.

 

 

Die AWO-Sozialdienst Rostock gemeinnützige GmbH führte in Rostock zwischen 2012 und 2014 die ersten beiden EX-IN-Fortbildungskurse durch. Dann wurde am 14. Oktober 2017 aus dem Netzwerk „Genesungsbegleitung M-V“ der Verein „EX-IN Mecklenburg-Vorpommern e.V.“ (EX-IN M-V e.V.) gegründet. Die wichtigste Aufgabe ist die Ausbildung der Erfahrungsexperten im EX-IN-Kurs. Nach der AWO Rostock führte der Verein die 3. Fortbildung 2019 bis 2020 durch.

EX-IN M-V setzt sich also folgende Zielstellungen:

  • Inklusion von Menschen mit psychischen Erkrankungen unter anderem durch Teilhabe am Arbeitsleben
  • Einbeziehung von Genesungsbegleiter*innen in die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen
  • Koordination und Vernetzung von regionalen EX-IN Initiativen in M-V
  • Ausbildung zum „Experten aus Erfahrung“ (EX-IN-Kurs) nach den Standards von EX-IN Deutschland e.V.
  • Schulungen bei Qualifizierungsbedarfen bereits ausgebildeter Genesungsbegleiter*innen.

Die genannten Ziele erreicht der Verein durch Projekte, Kurse, Informationsveranstaltungen und Tagungen.

Der Verein EX-IN M-V e.V. möchte eine Brücke zwischen den Psychiatrie-Erfahrenen, den Professionell Tätigen und den Angehörigen und Freunden seelisch gehandicapter Menschen bauen. Durch die Ausbildung zum Erfahrungsexperten sollen endlich die Betroffenen selbst eine Stimme bekommen, die durch den Dolmetscher, den EX-INler noch lauter und klarer wird.

Die Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen sollen endlich gehört werden und die Stigmatisierung soll aufhören! Dafür ist noch viel Arbeit zu leisten und daran beteiligt sich der Verein.

Quelle: https://ex-in-mv.de/

 

Die Vergangenheit und Gegenwart der Psychiatrie

Hallo liebe Leser,
heute ist einer der wichtigsten Tage die es gibt, nämlich der Welttag der seelischen Gesundheit! Ich bin Chr!s und hatte leider schon einige persönliche Erfahrungen mit der Psychiatrie. Oft wurde mir geholfen, aber manchmal war es in den Nervenkliniken auch schwierig für mich! Auch wenn wir heute auf das positive schauen sollten, es muss auch an die Vergangenheit erinnert werden! Und wir dürfen die Suizidopfer nicht vergessen. Ihr seid alle wichtig! #DuBistMirWichtig

Die „Woche der Seelischen Gesundheit“ findet jedes Jahr rund um den internationalen Tag der Seelischen Gesundheit am 10. Oktober statt. Eine Woche lang sind Bürger und Bürgerinnen in Berlin und bundesweit eingeladen, die vielfältigen ambulanten und stationären Angebote der psychiatrischen und psychosozialen Einrichtungen in ihrer Umgebung kennen zu lernen. Ziel aller Veranstaltungen ist es, über psychische Krankheiten aufzuklären, Hilfs- und Therapieangebote aufzuzeigen und die Diskussion anzuregen. Ob Vorträge, Workshops, Schnupperkurse, Fachtagungen oder Kunstaustellungen – alle Veranstaltungen tragen dazu bei, Berührungsängste abzubauen und vor allem Betroffene sowie deren Angehörige einzubinden.

Quelle: aktionswoche.seelischegesundheit.net

Kein medizinisches Fachgebiet ist so vielen Irrtümern erlegen wie die Psychiatrie. Die „Aktion T4“ aus der Nazizeit zählt für mich zu den größten und schrecklichsten Fehlern, ja Verbrechen!

Aber die sogenannte Eugenik existierte schon viel länger und wurde bereits seit 1883 angewandt. In der Nazizeit ab 1933 wurden Menschen mit seelischen Krankheiten, geistig und körperlich behinderte Menschen dann sterilisiert, verhungern gelassen und vergast oder anders hingerichtet. Die Nationalsozialistische Rassenhygiene diente zur Rechtfertigung von Massenmorden an als „lebensunwert“ definierten Menschen und zu grausamen Menschenversuchen in verschiedenen Konzentrationslagern.

Heute ist all das Vergangenheit. Aber an vielen Vorurteilen gegenüber Menschen mit seelischen Problemen hat sich nicht viel geändert und das liegt zum Teil daran, dass sie früher einfach weggesperrt wurden. Verweildauer in „Irrenanstalten“ waren damals oft mehrere Jahre bis lebenslang. Heute ist die Durchschnittsverweildauer in Nervenklinken acht Wochen.

Menschen mit psychischen Problemen leiden sehr unter den Vorurteilen der „Normalos“. Man nennt das auch Stigma oder zweite Krankheit. Eigentlich ist dies ja zum größten Teil das Problem, der Menschen, die sich für normal halten, denn das Stigma beruht auf der Angst vor dem der anders ist. Nicht nur die Angst spielt eine große Rolle, denn sie wird von Halbwissen und schlechtweg falschen Annahmen geschürt. Auch Sucht zählt für mich zu den psychischen Erkrankungen, denn die Menge macht das Gift! Und Sucht geht fast immer mit seelischen Problemen und riesigem Leidensdruck einher!

Ich möchte mal mit einigen der Vorurteile gegenüber Menschen mit psychischen Problemen und suchtkranken Menschen aufräumen, stellvertretend für die große Anteil der seelisch Gehandicapten von 10-20 % an der Bevölkerung:

  • Sucht ist keine Charakterschwäche, sondern ebenfalls eine seelische Erkrankung
  • Depressive sind nicht faul, sondern antriebslos, nicht mal unbedingt immer traurig
  • Schizophrenie ist keine gespaltene Persönlichkeit, sondern ist durch Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Gefühlswelt gekennzeichnet
  • psychische Erkrankungen sind nicht selten, sondern man kann sie als Volkskrankheit bezeichnen
  • psychotische Menschen sind im Durchschnitt nicht gewalttätiger als die Gesunden
  • ein psychisches Handicap ist keine geistige Behinderung, es kann jeden treffen

Deshalb solltet ihr „Normalos“ mit uns ganz normal umgehen. Die Horrorbilder einer Psychiatrie, die ihr vielleicht aus Film und Fernsehen kennt, stimmen nur bedingt. Allerdings ist es in einer geschlossenen Station trotzdem ganz und gar nicht lustig.

Es gibt hier in Deutschland zwar keine Zwangsjacken, stattdessen gibt es Fixierung an den Betten, das finde ich persönlich sogar noch schlimmer, weil man dann nicht um herlaufen und es zu traumatischen Erlebnissen führen kann.

Es ist auch bestimmt für das Personal, das sich nicht anders zu helfen weiß, eine schmerzliche Erfahrung. Doch es werden in einigen Kliniken auch Menschen angeschnallt, die für sich und andere keine Gefahr sind und diese Anzahl an Personen ist leider zu hoch. Ich habe schon erlebt, dass alte, gebrechliche oder mit Medikamenten vollgepumpte Menschen, angeschnallt wurden, da sie vom Bett fallen könnten. Aber viel hat sich Dank der neuen Gesetze auch geändert. Und eine offene Station ist manchmal echt wie Urlaub! In einer offenen Station kann man sich frei bewegen und heutzutage sind die meisten Stationen offen.

Doch nicht nur in den Kliniken, sondern auch später, wenn die Betroffenen entlassen sind, haben sie zu kämpfen, da meiner Meinung nach eine richtige Integration oder gar Inklusion noch nicht ganz geschafft wurde. Oft arbeiten von seelischen Problemen Betroffene in Werkstätten und verpacken Ballons zusammen mit geistig behinderten Menschen. Es fehlt der Kontakt zu den gesunden Menschen, das stört mich. Es wäre besser, wenn in solchen Werkstätten auch „Normalos“ arbeiten würden, zum Beispiel als Sozialstundenleistende, auch wenn das komisch klingt. Auch in den Wohngruppen sind die Betroffenen unter sich.

Es gibt viele Menschen, für die das Konzept der psychiatrischen Hilfen nicht ausreicht. Das sind vor allem junge Menschen. Oder Menschen wie ich im Erwachsenenalter. Diese haben in vielen Fällen zwar einen Job, doch was ist, wenn man von ihrer Erkrankung erfährt? Ich kannte das. Ich rannte von Maßnahme zu Maßnahme, machte Praktika und fand trotzdem keinen Job. Oder gerade deshalb, denn wenn die Firmen Praktikanten haben, brauchen sie ja nicht zahlen, andererseits geht man gerade dann, wenn man sich eingearbeitet hat.

Ich habe sehr viele Praktika gemacht und bin stolz darauf! Ich arbeitete im Krankenhaus, im Copyshop und als Bürokaufmann und am Institut für neue Medien Rostock und Werbefirmen. Dadurch merkte ich, dass wir seelisch gehandicapten Menschen viel drauf haben, wenn man an uns glaubt!  Und ich bin Mitglied und Vorstandsmitglied a.D. des Landesverbandes seelische Gesundheit M-V e.V. sowie Mitarbeiter des EX-IN Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Mein Comicfanzine, das demnächst auch eine EX-IN-Ausgabe bekommt ist besonders für Jugendliche und Erwachsene gedacht. Doch es gibt auch Kinder mit psychischen Problemen! Für die Kinder psychisch kranker Eltern, gibt es oft noch wenig Hilfen. Die Hilfe kommt dann oft erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und selbst erkrankt. Und dann haben die Psychiater wieder was für ihre Statistiken, denn heute wie damals gilt die Annahme, dass viele psychische Krankheiten erblich sind. Ich hingegen glaube, dass die Ärzte viel mehr, die Ursachen, und die sind seelisches Leid, bekämpfen sollten, anstatt nur Medikamente zu verabreichen, also die Symptome zu bekämpfen. Oft ist eine Tablette schneller gegeben als ein heilsames Wort geschenkt ist.

Ich glaube ganz fest, dass wir, wenn wir den anderen so akzeptieren wie er ist, also mit all seinen Macken, eine bessere und gerechtere Welt aufbauen können. Und außerdem müssen wir alle etwas gemeinsam dafür tun, nämlich zusammenhalten um gemeinsam alles zum Positiven zu verändern, unzwar für ALLE!

Euer Chr!s!

Der verlorene Sommer + Filmtipps

KOLUMNE von Christian Kaiser:

Vielleicht hört es sich echt total  komisch an. Schon viele Geburtstage, Weihnachtsfeste und Zeiten, in den man eigentlich Urlaub macht, verbrachte ich in der Klapper oder war nahe einem Nervenzusammenbruch.

Ich habe eine psychische Erkrankung. Aber das ist mir egal! Ich bin gerade diesen Sommer in der Nervenklinik. Und das ist mir eben nicht egal. Denn meine Stimmungschwankungen und meine überschäumende Fantasie gehören zu mir, wie Furchur nach Phantasien…

In meinen Träumen war ich schon oft in Phantasien, aber ich kann Bastian Balthasar Bux nur aus dem Kino. Das Buch: „die Unendliche Geschichte“ habe ich noch nicht ganz durchgelesen. Aber, ich weiß: Phantasien ist das Land der menschlichen Fantasie. Aber es ist bedroht, weil wir nicht mehr glauben. Wir glauben nur noch den Medien! Sei es Internet, Fernsehen, oder Zeitung…

Keiner glaubt mehr wirklich an sich selbst, weil leider viele Menschen, gerade die Reichen im Konsum ihren Gott gefunden haben. Es gibt Hochbegabte und Menschen mit Behinderung. Menschen verschiedener Hautfarbe und Linke und Rechte. Und Christen, Moslems, Muslime, Buddhisten, Hindus, Atheisten und Menschen aller Hautfarbe und Religion. Manchmal denke ich, dass kann Gott doch nicht zulassen, Kriege, Umweltzerstörung usw.
Ich war immer anders als die anderen, aber fühlte mich trotzdem wohl. Früher habe ich mich jedoch auch wie ein Marsmensch gefühlt. Aber jetzt spüre ich, dass ich auf die Erde gehöre und geliebt werde, von meiner Familie und meinen Freunden. Meinen Vater empfinde ich manchmal als schwierig, aber er ist trotzdem toll! Ohne ihn währe ich nicht der, der ich bin. Ich wäre auch nie hier gelandet ohne Vati und Mutti! Egal was ihr macht, meine Gefühle für euch werden sich niemals ändern! Im Film: „Mein Kind vom Mars“ geht es auch um einen Jungen, der anders ist, aber seht selbst.

Ich frage mich, wenn ich mir die Welt so anschaue: „Was wollt ihr wirklich?! Wollt ihr ein dickes Auto fahren, oder die Natur retten? Wollt ihr Musik machen, oder sie nur hören? Oder wollt ihr wirklich was bewegen? Anfangen könnt ihr schon heute! Verändert die Welt! Ihr könnt es! Das weiß ich!“ Mein Sommer in der Psychiatrie war nicht so toll, aber es war doch kein verlorener Sommer, denn ich habe neue Freunde kennengelernt, oder hoffentlich gute Kumpels! Und hier noch ein toller Filmtipp zum Thema:

Auch wenn ich wohl psychische Probleme habe, sie sind da, um sie zu lösen. Und wenn es in eurer Klasse oder in Ihrem Betrieb Menschen mit psychischen Leiden gibt: Schaut nicht weg!

Also, auf Bald, Euer Chr!s

Erfahrungsbericht: In der Jugendpsychiatrie

IN DER JUGENDPSYCHIATRIE

Alles begann ganz harmlos. Ich glaubte von Außerirdischen entführt worden zu sein. Doch daraus entwickelte sich ein Geflecht aus vielen Verrücktheiten. Langsam aber sicher merkte ich nicht mehr, was um mich herum geschah. Stattdessen war ich der Meinung,außerirdische Signale aus dem Fernsehen zu erhalten.
Am nächsten Tag fuhr ich mit meiner Mutter zur Jugendabteilung der Nervenklinik in Gehlsdorf.

In der Klinik kam es mir wie in einem Ferienlager vor, doch wie sagte mal der Assistenzarzt:“ Das ist hier kein Ferienlager, das ist eine Klinik!“ Mein Zustand hatte sich innerhalb einer Woche wieder fast völlig normalisiert. Ich freundete mich auch mit vielen der Patienten an.

Trotzdem war es mir peinlich, dass ich in der „Klapsmühle“ gelandet war. Als ich dann zweieinhalb Monate in der Klinik verbracht hatte, sollte ich auf die Gehlsdorfer Realschule gehen, um wieder mit dem Alltag konfrontiert zu werden.

DIE LÜGE

Als mich die Englisch-Lehrerin empfing, fragte sie, warum ich nur so kurz auf die Schule ginge, „Wohnst du gerade bei deiner Oma, oder so?“ Ihr erzählte ich die Wahrheit, sie hatte mir jedoch eine gute Geschichte für den Rest der Meute geliefert.

Ich verstand mich gut mit den Schülern dieser 8. Klasse, besonders mit meinem Banknachbaren,mit dem ich schon fast Freundschaft schloss. Nur die Lüge stand zwischen uns und es war sehr belastend. Ich musste beispielsweise, um nicht entdeckt zu werden, immer zwei Stationen früher aus dem Bus aussteigen. Damals war an der Haltestelle, an der eine komische Frauenstimme zu sagen pflegt: “Nächster Halt: Gehlsheim Klinik“ noch keine Wohnsiedlung.
Mir fiel das Lügen immer schwerer und ich hatte ein schlechtes Gewissen, zumal es mir so vorkam, als würde ich Fuß in der Klasse fassen. Ich fühlte mich mies, aber war schon zu sehr in das Lügengestrüpp verfangen. Wahrscheinlich war das auch der Grund für meinen Rückfall.

MEINE ZWEITE ODYSSEE

Nach einem Wochenende, dass ich, wie schon drei zuvor,zu Hause verbrachte, fühlte ich schon, dass es wieder so weit war. Mit meinem besten Freund und meiner Mutti war ich im Zirkus. Dort tanzten die Lichter durch die Manege. Ich empfand es als enormen Stress.

Die Scheinwerfer im Zirkus sahen genauso aus, wie damals das Raumschiff vor meinem Fenster. Ich bekam wieder komische Gedanken. Den Ärzten der Klinik blieb das natürlich nicht verborgen.
Am Dienstag setzte ich mich mit der Fernbedienung vor den Fernseher und schaute im Videotext nach Signalen der Aliens. Diesmal war es nicht so schlimm wie beim ersten Mal, es reichte trotzdem. In die Schule wurde ich natürlich nicht gelassen.

Meinem Zimmernachbarn, war es sehr wichtig, das ich zu Schule ging, er wollte nicht wahrhaben, dass ich wieder krank war und sagte voller Überzeugung: „Wenn sie dich morgen nicht rauslassen, kletterst du aus dem Fenster, wir helfen dir.“

Ich muss dazu sagen, dass es so um die zehn Meterhoch, also auch sehr gefährlich, gewesen ist. Ich überlegte die ganze Nacht, ob ich das tun sollte. Ich entschied mich dagegen.

Nun wurde ich täglich gespritzt, da meine Medikamente umgestellt werden mussten. Während dieser Umstellung auf Zyprexa passierte wieder etwas merkwürdig gesund auch für mich belastendes. Ich begann die Zeit intensiver wahrzunehmen. Es war als wenn sie langsamer verging, viel langsamer.
Ich hatte während dieser Zeit ein sehr mulmiges Gefühl in der Magengegend. Aber zum Glück dauerte das Ganze nur drei Tage. Es kam mir wesentlich länger vor. Danach war ich wieder normal. Na ja, was ist schon normal?

DAS HAPPY END?

Nun musste ich wieder in die Gehlsdorfer Schule. Dummerweise war mein Lügengerüst eingestürzt. Ich denke mal, die Direktorin dachte, es wissen sowieso alle und hat dann berichtet, dass ich einen Rückfall hatte. Natürlich freuten sich alle, dass es mir besser ging,andererseits war mein Kumpel Christoph sauer, dass ich ihn belogen hatte. Mensch,wieso hast du nicht gleich gesagt, dass du aus Gehlsheim kommst. Ist doch nicht so schlimm. Wir hatten schon öfter welche in der Schule. Die sind doch in Ordnung, genau wie du.“, sagte er. Mit dieser Reaktion hatte ich nicht gerechnet. Eigentlich war ich darüber froh, dass es
herausgekommen war. Meinen 15. Geburtstag verbrachte ich noch in der Klinik. Zwei Wochen danach wurde ich entlassen.
In meiner Schule wurde ich gut aufgenommen, auch wenn hinter meinem Rücken über mich gelästert wurde. Den würde ich es zeigen, dachte ich mir und machte einen qualifizierten Realschulabschluss.
Auch meine anschließende Ausbildung absolvierte ich mit einem guten IHK-Abschluss.
Leider hatte ich während der Ausbildung zum Bürokaufmann noch zwei Rückfälle.
Ich muss dabei zugeben, dass ich es regelrecht genoss, wenn ich manisch war. Es war ein tolles Gefühl der Euphorie, ich konnte die ganze Welt umarmen. Das kann ich nach der Therapie wieder!

von Christian Kaiser

 

Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober 2019

Der Politischer Donnerstag
zum Welttag der seelischen Gesundheit
Im Peter-Weiss-Haus fand am 10.10.2019, 18:00 Uhr statt…

Was ist der Welttag der seelischen Gesundheit:

Der Welttag für psychische Gesundheit, auch Welttag der seelischen Gesundheit und Welttag der geistigen Gesundheit (englisch World Mental Health Day), ist ein Aktionstag, der von der World Federation for Mental Health (WFMH) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufen wird. Er soll auf die psychische Gesundheit von Menschen aufmerksam machen, Informationen über psychische Krankheiten zugänglich machen und die Solidarität mit psychisch Kranken und ihren Angehörigen ausdrücken. Der Welttag wird jährlich am 10. Oktober begangen.

Auf Initiative der World Federation for Mental Health (Weltverband für Psychische Gesundheit, WFMH) wurde 1992 erstmals ein Aktiontag ausgerufen, um auf psychische Krankheiten hinzuweisen.[1] Im Mittelpunkt des Aktionstages stand eine weltweit übertragene Fernsehsendung aus Tallahassee, in der Betroffene und Experten über diese Krankheiten sprachen.[2] 1994 wurde der World Mental Health Day unter ein Motto gestellt. Zahlreiche staatliche Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen sowie die Vereinten Nationen mit der Weltgesundheitsorganisation unterstützten die Initiative, die sich zu einem Aktionstag mit weltweiten Veranstaltungen entwickelte. In vielen Ländern ist der Welttag in Aktionswochen eingebettet.[2]

Unter Federführung des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit wird seit 2010 bundesweit die Aktionswoche Seelische Gesundheit um den 10. Oktober herum organisiert.[3] In der Schweiz koordiniert das 2011 gegründete Netzwerk Psychische Gesundheit Schweiz lokale und kantonale Veranstaltungen zum Tag der psychischen Gesundheit.[4] In Österreich tritt vor allem der Verband Pro mente austria mit Veranstaltungen und Informationen zum Aktionstag in Erscheinung.[5]

Fast 50 Gäste waren dabei und wir hatten eine rege Diskussion im Anschluss. Vielen Dank an die Gäste der Veranstaltung. Wir hoffen, dass wir diese Art der Anti-Stigma-Arbeit auch in folgenden Veranstaltungen zu verschiedenen Themen weiterführen können.

Quelle: Wikipdia

THEMA:

Was ist EX-IN? Was macht ein Genesungsbegleiter?
Neue Wege in der Sozialpsychiatrie!

Wir haben die EX-IN-Bewegung vorgestellt. Sie trägt zur Verbesserung der gesellschaftlichen Situation der seelisch gehandicapten Menschen bei. Wir klärten über Selbsthilfe auf, stellten zwei Selbsthilfegruppen vor und ließen alle bei der Podiumsdiskussion zu Wort kommen.

EX-IN steht für Experienced Involvement, also für die „Beteiligung von Erfahrenen“ Menschen, die selbst in psychiatrischer Behandlung waren und versuchen nach einer Qualifikation als Expert*in aus Erfahrung anderen Psychiatrie-Patient*innen und Klient*innen zu helfen.

Der Einsatz von Genesungsbegleiter*innen kann die Beziehungen zwischen Klient*innen und Mitarbeiter*innen der Psychiatrie verbessern. Die Expert*innen aus Erfahrung können also zu Dolmetscher*innen zwischen zwei „Kulturen“ werden. Mit dieser Veranstaltung wollen wir zur Anti-Stigma-Arbeit beitragen!

Nicht mehr alle Tassen im Schrank?! – Schafft Platz für neue Ideen!

Als kulturelle Untermalung haben wir Filme und Musik eingebunden. Als Live-Act haben wir den Rapper Alex eingeladen, der mit Christian Kaiser und Norbert Kißhauer durch die Veranstaltung führt. Auch unsere Kreativgruppe die Mad Artists stellen sich vor, gemeinsam mit der SHG für seelische Gesundheit Integrativ Rostock Nordost.

Menschen mit psychischen Problemen haben diese oft, weil sie in ihrem Leben viel leiden mussten. Also könnte man sagen, nicht diese Menschen sind krank, sondern die Gesellschaft ist es. Außerdem kann man an seinem Leid auch wachsen, wenn man Auswege findet und lernt damit umzugehen. Viele psychisch beeinträchtigte Menschen haben eine künstlerische Ader, auch das sind Stärken. Jeder Mensch hat Fähigkeiten.
Es sollte darum gehen diese zu finden und auszubauen und nicht nur auf die Schwächen zu schauen.

Unsere Gesellschaft muss sich ändern!

Zukunft der psychiatrischen Versorgung

EX-IN und die Zukunft des Gesundheitswesens

In der deutschen Psychiatrie-Landschaft gab es lange Zeit keine Einbeziehung Psychiatrie-Erfahrener. Mit EX-IN ändert sich das nun. In diesem Artikel sollen die Chancen aber auch die Herausforderungen für Mitarbeiter in der Sozialpsychiatrie dargestellt werden.

Die EX-IN-Ausbildung

Die EX-IN-Ausbildung schließen die Teilnehmer auch hier in M-V mit dem Zertifikat: Experten durch Erfahrung in der Gesundheitsversorgung, ab. Sie beschäftigen sich damit, wie ihre Krise ausgelöst wurde, wie sie sie erlebten und was sie von innen und außen unterstützt hat herauszukommen. Also sie erlernen das Leben mit allen Einschränkungen zu leben. Die Teilnehmer erfahren auf diesem Weg, dass sich nichts ändern kann ohne, dass sie nicht selbst etwas dafür tun. In der Ausbildung erlernen sie diese Erfahrung einzusetzen um andere Betroffene zu unterstützen.

Herausforderung in der Zusammenarbeit:

Gerade zu Beginn ist die Rolle des Genesungsbegleiters ungewohnt und es können Irritationen und Unsicherheiten im Unternehmen auftreten. Es gibt die Frage nach dem Wert der Professionalität und der Erfahrung. Oft können EX-INler, die das Team eigentlich tatkräftig unterstützen sollten, als Klienten gesehen werden. Entsprechend wird auf sie reagiert, auch von „echten Klienten“. Eine Gefahr ist auch, das der Begleiter nicht ausreichend in die Rolle eingeführt wird, die Bedenken nicht ausreichen gesehen und vor allem die Aufgabenbereiche nicht klar definiert werden. Auch der Anpassungsdruck kann zu Gefahr werden. Doch die Vorteile von EX-IN überwiegen stark!

Chancen durch EX-INler:

Natürlich können EX-INler auch wieder erkranken, doch gerade dadurch zeigen sie das Mensch-Sein durchaus brüchig ist und auch sein darf. Die künstliche Trennen zwischen stark und schwach sowie krank und gesund hilft niemanden, schon gar nicht den psychisch kranken Menschen.

Die EX-INler machen deutlich, das es den Klienten nicht hilft, wenn andere ihnen vorschreiben, was gut für sie ist. Es gilt, dass das die Klienten selbst für sich herausfinden müssen und nicht bevormundet werden sollten. Natürlich müssen Mitarbeiter manchmal die Verantwortung für Klienten übernehmen, doch sie sollte auch wieder zurückgegeben werden.

Chancen für professionell tätige Mitarbeiter und die Organisation

Die Einbeziehung von EX-INlern bietet Anstoß zur Weiterentwicklung und bereichert die Teams und Organisationen:

  • Die gemeinsame Bearbeitung unterschiedlicher Themen führt zu neuen Erkenntnissen bei den Profis, auf die sie sonst nie gekommen wären.

  • Die Achtsamkeit der Mitarbeitenden und der Teams im Umgang mit den Klienten und sich selbst wird durch den anderen Blickwinkel der Genesungsbegleiter erhöht.

  • Durch den Austausch mit Peerbegleitern können sich die Mitarbeiter ihr eigenes Handeln hinterfragen und zu neuen Lösungsideen kommen.

  • Gemeinsam kann herausgearbeitet werden, wie die Wirksamkeit von Angeboten erhöht werden kann. Das Erfahrungswissen ist sehr hilfreich um vor der Übernahme von zu viel Verantwortung, unrealistischen Zielen und zu hohen Qualitätsansprüchen zu schützen.

  • Gelingt die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten, bieten die EX-INler die Möglichkeit, die Organisation und die Unterstützungsmöglichkeiten zu reflektieren.

  • Die Verschiedenheit in Rollen und Sichtweisen sowie der Aufgaben kann gelebt und die Achtsamkeit in der Organisation erhöht werden.

  • Unterschiedliche Zugänge zum Klienten bringen neu Wege und Lösungen.

FAZIT:

Die Einbeziehung von Menschen, die durch die Erfahrung mit ihren eigenen seelischen Problemen währen der EX-IN-Ausbildung gelernt haben in der Sozialpsychiatrie erfolgreich mitzuarbeiten, können zur großen Bereicherung werden, wenn man sie nur lässt! Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass selbst einige Betroffene Berührungsängste mit Genesungsbegleitern haben, die schließlich selbst seelische Probleme und eine Diagnose haben. Sie glauben, die sog. Peer-Berater wären selbst zu schwach um zu helfen. Eine solche Ansicht herrscht teilweise auch bei den Profis! Doch es wird bewiesen werden, das sich EX-INler ein großer Zugewinn sind und sich auf Augenhöhe begreifen können!