Abschied von Gehlsdorf

ERFAHRUNGSBERICHT von Christian Kaiser: 

Die Zeit in der Gehlsdorfer Klinik neigt sich dem Ende zu und ich bin echt froh darüber. Trotzdem werde ich viele vermissen, die mir echt geholfen haben. Vor allem die Patient*innen, die mich echt toll behandelt haben, die Pfleger*innen, Therapeut*innen und Ärzt*innen! Am liebsten würde ich sofort eine Weltreise machen so wie es Mark Forster machte. Hier eine meiner Lieblingssongs von ihm und Sido, den ich inzwischen echt cool finde! Denn das, was in dem Musikvideo das 16jährige Mädchen macht, wollte ich 1997 mit 14 Jahren auch machen bevor ich in die Nervenklinik kam…

Nur ein TV-Bericht über russische obdachlose Jugendliche hielt mich davon ab. Und das war wohl auch besser so! Ich kam in die Jugendpsychiatrie. Im Grunde war die Zeit damals wie ein Urlaub. Aber dazu findet ihr hier mehr. Auch wenn vieles in der Klinik sehr schlimm für mich war, ich habe mich auch nicht immer so gut benommen, obwohl ich das normalerweise tue. Und ich bin halt geboren um frei zu sein, so wie Sido…

Der Refrain wird von einer Musiklegende gesungen, nämlich Rio Reiser. Musik ist meine Heilung und auch, wenn sie manchmal traurig klingt, sie hilft mir fast immer. Doch wenn man dann auf der Straße manchmal durch die Kopfhörer-Beschallung so abgelenkt ist, das echt was passieren kann, ist das dumm. “Und der ist dumm, der Dummes tut”, wie schon Forest Gump wusste. Ich hatte in meinen Leben viel Pech. Zum Glück bin ich aber auch ein “Hans im Glück”. Auch wenn mich manche nicht verstehen, weil ich nur an andere denke, ich bin trotzdem stolz darauf selbstlos zu sein, genauso wie MoTrip…

In Psychiatrien sind viele Menschen, die immer nur an andere gedacht haben, und dabei sich selbst vergessen haben. Dazu gehöre ich wohl auch, aber das werde ich ändern. Ich werde anfangen auch an mich zu denken und trotzdem, oder gerade deswegen, anderen zu helfen. Das 1. Gebot in der Bibel sagt es treffend aus: “Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!”

CORONA hat mir eines bewiesen, wenn auch nur in der Anfangsphase, die Menschen helfen wieder einander und ich werde auch nicht damit aufhören! Deshalb will ich euch bitten “Das Glückprinzip” anzuwenden! Helft anderen Menschen, so wie nur ihr es könnt und bittet sie anderen zu helfen.

In der Klapper merkt man, wie normal, empathisch und besonders Menschen mit seelischen Problemen sein können, und dass gerade diese Menschen besser mit anderen umgehen als es die Normalos tun. Doch auch meinen Freunden bin ich total dankbar! Danke Leute! Ihr habt mir echt geholfen!

Und so beginnt heute mein neues Leben und darauf freue ich mich.

Also bis bald, und wenn ihr Fehler gemacht habt, wie ich, dann ist heute der beste Tag für einen Neuanfang für Alle!

Es ist Zeit für den Wandel! Jeder kann gesund werden, sogar ich, also bis bald!

Euer Chr!s